Gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg schaffen wir Räume, in welchen wir über schwierige Themen mit dem Publikum aus dem Großraum Stuttgart sprechen können. Die Formate sind vielfältig: Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Lesungen mit den Gästen aus ganz Deutschland und der Ukraine.
Am 18.02.2026 laden wir euch herzlich ein, mit uns den Film Kherson: Human Safari im Atelier am Bollwerk zu schauen. Der Film ist Teil einer Veranstaltungsreihe, mit der das Ukrainische Atelier für Kultur und Sport und die Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg an den Jahrestag des Beginns des vollumfänglichen Angriffskriegs Russland gegen die Ukraine vor vier Jahren erinnern möchten.
Kherson: Human Safari (72 Min.) ist ein Dokumentarfilm der US-Kriegskorrespondentin Zarina Zabrisky, der an der Front in Cherson, Ukraine, gedreht wurde. Der Film dokumentiert die gesamte Geschichte der Stadt seit Beginn der groß angelegten Invasion Russlands im Jahr 2022: die Besetzung, den Widerstand, die Befreiung, die Überschwemmung und die anhaltende Zerstörung durch tägliche Angriffe. Die „menschliche Safari“ – Russlands Einsatz von Drohnen zur Jagd auf Zivilisten – ist ein Teil dieser umfassenderen Erzählung von Überleben, Widerstandsfähigkeit und Trotz.
Ehrenabzeichen: Das russische Außenministerium hat Zarina Zabrisky wegen ihrer Berichterstattung auf seine offizielle Sanktionsliste gesetzt.
Wann: 18.02.2026, 18:00 bis max 20:00
Wo: Atelier am Bollwerk
Sprache: Original mit Untertitel auf DE
Folter. Willkür. Besatzungsdruck.
Russland hält zurzeit etwa 20 Prozent der Ukraine besetzt. In diesen Gebieten leben schätzungsweise 5 bis 6 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer und der Besatzungsdruck ist enorm. Menschen verschwinden in Folterkellern und Gefängnissen. Oft werden ihnen Extremismus, Diskreditierung der russischen Armee oder verbotenes Verbreiten pro-ukrainischer Symbole vorgeworfen. Hinzu kommt Zwangsmobilisierung ukrainischer Jungen und Männer in die russische Armee. Alle Menschen müssen russische Pässe annehmen, sonst gibt es weder Rente noch medizinische Behandlungen. Proteste werden im Keim erstickt, doch ein vermutlich kleiner Teil der Menschen leistet Widerstand in Gruppen wie der »Gelben Schleife« oder »Atesch«. Sie malen blau-gelbe Symbole in den öffentlichen Raum, spionieren russische Militärstützpunkte aus oder beschädigen militärisch relevante Infrastruktur.
MIT:
- Andrea Beer, Journalistin beim SWR, arbeitete fast 10 Jahre als Auslandskorrespondentin der ARD, hat das Studio Kyjiw mit aufgebaut, berichtete in der Ukraine über den russischen Angriffskrieg, war regelmäßig unterwegs im Land, auch im Kampfgebiet, vielfach ausgezeichnet für ihre Arbeiten
- Mariia Kalus, Journalistin aus Kyjiw, arbeitet beim WDR in Köln.
Wann: 19.02.2026, 19:00 bis 20:30
Wo: Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart
Russische Kriegsverbrechen in der Ukraine
Die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen ist eine zentrale Voraussetzung für Gerechtigkeit und dauerhaften Frieden. Nur wenn Gräueltaten dokumentiert, untersucht und juristisch verfolgt werden, können Opfer Anerkennung finden und künftige Verbrechen verhindert werden. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine stellt die internationale Strafgerichtsbarkeit vor enorme Herausforderungen – zugleich ist er ein Prüfstein für die Wirksamkeit internationaler Rechtsnormen und die Verantwortung der Weltgemeinschaft.
Unter dem Arbeitstitel „Russische Kriegsverbrechen in der Ukraine, internationale Strafgerichtsbarkeit und die Debatte in Deutschland“ Wir laden wir zu einer Veranstaltung mit Impulsvorträgen und anschließender Podiumsdiskussion mit ein.
MIT:
- Klaus Hofmann, Oberstaatsanwalt Freiburg, hat in der Ukraine an der Aufklärung von Kriegsverbrechen mitgearbeitet und die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft beraten
- Nataliya Pryhornytska, Politikwissenschaftlerin, Aktivistin sowie Mitbegründerin der Open Platform e. V. und der Allianz Ukrainischer Organisationen
- Dr. Marc Zeccola, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Volkswirtschaftslehre und Recht, Abteilung für Rechtswissenschaft an der Universität Stuttgart
MODERATION: Andrea Beer, SWR
Wann: 20.02.2026, 19:00 bis 20:30
Wo: Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart
Vergangene Veranstaltungen
„Die Seiten des Krieges“: Literaturabend im Stuttgarter Literaturhaus mit und in Gedenken an Autor*innen aus der Ukraine
Der ukrainische Autor Andriy Lyubka schildert in „Die Rückseite des Krieges“ seine Erlebnisse als freiwilliger Helfer und zeichnet ein lebendiges Bild des vom Krieg geprägten Alltags in der Ukraine. Er berichtet von Begegnungen mit Soldaten, Zivilisten und Helfern, deren Leben sich grundlegend verändert hat (Transit Verlag, erscheint September 2025).
Stanislav Asejew beschreibt in „Heller Weg. Donezk – Bericht aus einem Foltergefängnis“ seine mehrjährige Gefangenschaft im berüchtigten „Isolatsiya“ in Donezk und dokumentiert Gewalt und Repression unter russischer Besatzung (Suhrkamp, 2023).
Zu Ehren der ermordeten Autor*innen Victoria Amelina und Volodymyr Vakulenko werden deren Texte präsentiert. Vakulenkos Tagebuch aus dem besetzten Izjum und Amelinas Veröffentlichungen zeugen von den Erfahrungen unter russischer Herrschaft und machen die menschlichen und kulturellen Verluste sichtbar.
Diskussionsabend | Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine im zweiten Jahr. Wie hat sich die Debatte in Deutschland verändert?
In der aktuellen Debatte über die Unterstützung der Ukraine in Deutschland spielen historische Begriffe und Analysen eine zunehmend wichtige Rolle. Es ist jedoch wichtig, sich daran zu erinnern, dass diese Diskussion ein Teil eines komplexen Konflikts ist, der weit über die Grenzen Deutschlands hinausgeht.
MIT: Klaus Gestwa, Professor für Osteuropäische Geschichte und Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde an der Eberhard Karls Universität Tübingen; Anastasia Tikhomirova, Journalistin u.a. für taz, ZEIT ONLINE und Jungle World; Afina Albrecht, die für ihr vielfältiges Engagement als Stuttgarterin des Jahres 2022 ausgezeichnet wurde.
Filmvorführung ‚20 Tage in Mariupol‘ mit anschließender Podiumsdiskussion im Atelier am Bollwerk.
Als die Belagerung Mariupols durch die russischen Invasionstruppen beginnt, verlassen die meisten Pressevertreter*innen die ukrainische Hafenstadt. Als einzige internationale Reporter*innen vor Ort halten Filmemacher Mstyslav Chernov, der Fotograf Evgeniy Maloletka und die Produzentin Vasilisa Stepanenko entscheidende Kriegsbilder fest. Der Film von Pulitzer-Preisträger Mstyslav Chernov basiert auf dessen persönlichen Berichten und zeigt eindringlich den Heldenmut von Nachrichtenjournalismus in Konfliktgebieten.
Der Film wurde mit einem Oscar als „Bester Dokumentarfilm“ ausgezeichnet.
MIT: Klaus Gestwa, Professor für Osteuropäische Geschichte und Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde an der Eberhard Karls Universität Tübingen; Kateryna Ilchenko, IT-Unternehmerin aus Mariupol, die die Belagerung miterlebt hat; aktuell Dozentin an der Arden University Berlin.